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Wie wählt man eine Zeitschrift für die Veröffentlichung aus?

Scope, Zielgruppe, Indexierung, Begutachtungsdauer, Kosten und Warnsignale – mit Vergleich von Journal, Preprint und Wissenschaftsmagazin.

6 Min. 1103 Wörter

Wählen Sie die Zeitschrift möglichst vor der endgültigen Formatierung des Manuskripts. Sonst passen Sie Literaturstil, Umfang und Aufbau an ein zufällig gewähltes Journal an, erhalten einen Desk Reject und beginnen von vorn. Starten Sie mit der fachlichen Passung, nicht mit dem Prestige.

Scope und Zielgruppe

Lesen Sie Aims and Scope und sehen Sie sich aktuelle Ausgaben an. Fragen Sie: Veröffentlicht das Journal diesen Studientyp? Ist Ihr Untersuchungsgegenstand für seine Leserschaft relevant? Gibt es Arbeiten mit ähnlichen Methoden? Eine sehr breite Überschneidung wie „Medizin“ oder „Ökonomie“ reicht nicht.

Die Zielgruppe beeinflusst die Darstellung. Dasselbe Ergebnis kann für Kliniker, Methodiker oder Fachleute der Gesundheitspolitik relevant sein, aber jeweils andere Einordnung benötigen.

Indexierung

Prüfen Sie die Datenbank direkt, die für Ihre Karriere, Förderung oder Institution wichtig ist. Wenn Scopus, Web of Science, MEDLINE oder eine nationale Liste gefordert wird, suchen Sie das Journal im offiziellen Verzeichnis. Ein Logo auf der Website ist kein Nachweis.

Verwenden Sie keine einzelne Kennzahl als universelles Qualitätssiegel. Zitationskulturen unterscheiden sich stark zwischen Disziplinen, und ein junges spezialisiertes Journal kann fachlich sehr passend sein, ohne hohe Kennzahlen zu besitzen.

Dauer des Begutachtungsverfahrens

Achten Sie auf veröffentlichte Angaben zur Zeit bis zur ersten Entscheidung und bis zur Publikation. Prüfen Sie, ob „first decision“ schnelle Desk Rejects einschließt, denn dadurch kann die Zahl kürzer erscheinen als das eigentliche Review.

Bei zeitkritischen Ergebnissen ist Geschwindigkeit wichtig. Das Versprechen einer komplexen Begutachtung innerhalb eines Tages ist jedoch eher ein Grund zur Prüfung als ein Vorteil.

Kosten

Klären Sie vor der Einreichung die APC sowie mögliche Seiten-, Farb- oder Zusatzgebühren. Prüfen Sie institutionelle Vereinbarungen und mögliche Erlasse oder Rabatte. Eine für Autoren kostenlose Veröffentlichung muss nicht geschlossen sein, und Open Access bedeutet nicht automatisch, dass Autoren zahlen müssen.

Warnsignale

Fragwürdige Indexierung, unbekannte Metriken mit prestigeträchtiger Darstellung, versteckte APC, massenhafte fachfremde Einladungen, eine nicht überprüfbare Redaktion und Annahmeversprechen vor der Lektüre sind Warnzeichen. Artikel Nr. 20 enthält dazu die ausführliche Checkliste.

Journal, Preprint oder Wissenschaftsmagazin

FormatHauptzweckPeer ReviewAkademische Publikation
Wissenschaftliches JournalForschung für Fachleute prüfen und dauerhaft publizierenmeistens jaja
PreprintManuskript vor der Journalentscheidung öffentlich machenvor Veröffentlichung meist neinabhängig vom Kontext; ersetzt das Journal nicht
WissenschaftsmagazinForschung einer breiten Öffentlichkeit erklärenkein wissenschaftliches Peer Reviewnein

Diese Formate können nebeneinander bestehen, wenn Journal- und Fachregeln es zulassen. Sie sind aber nicht gleichwertig.

Reihenfolge der Auswahl

1. Erstellen Sie eine Liste von 5–8 Journals anhand von Schlüsselbegriffen und bereits zitierter Literatur. 2. Streichen Sie Journals ohne ausreichende Scope-Passung. 3. Prüfen Sie die offizielle Indexierung. 4. Vergleichen Sie Artikeltypen, Wortgrenzen und Datenanforderungen. 5. Vergleichen Sie Dauer und Kosten. 6. Prüfen Sie Reputation und Editorial Board. 7. Wählen Sie ein Hauptjournal und eine Reserve, reichen Sie aber nicht parallel ein, wenn Mehrfacheinreichung untersagt ist.

Checkliste vor der Entscheidung

  • das Journal veröffentlicht meinen Studientyp;
  • seine Leserschaft interessiert sich tatsächlich für die Frage;
  • die Indexierung ist in der Primärdatenbank bestätigt;
  • APC und weitere Gebühren sind bekannt;
  • die Open-Access-Regeln sind klar;
  • der Zeitrahmen passt;
  • Preprint- und Datenrichtlinien sind gelesen;
  • das Editorial Board ist überprüfbar;
  • die Author Guidelines sind realistisch erfüllbar.

Vergleichen Sie Zielkonflikte statt nach dem „besten Journal“ zu suchen

Ein Journal kann die ideale Leserschaft haben, aber lange Begutachtungszeiten. Ein anderes ist schneller, verlangt jedoch hohe APC. Ein drittes kostet den Autor nichts, wird aber im eigenen Spezialgebiet kaum gelesen. Entscheidend ist, welche Einschränkung für Ihr Projekt wirklich kritisch ist.

Erstellen Sie eine Tabelle mit fünf Kandidaten und trennen Sie Muss-Kriterien von Wunschkriterien. Muss-Kriterien sind etwa Scope, zulässiger Artikeltyp, Förderbedingungen, ethische Anforderungen und finanzielle Machbarkeit. Wunschkriterien können Geschwindigkeit, vertrautes Format, Ansehen im Fach und ein angenehmes Einreichungssystem sein. Ein starker Pluspunkt darf keinen Verstoß gegen ein Muss-Kriterium überdecken.

Prüfen Sie veröffentlichte Artikel, nicht nur die About-Seite

Lesen Sie mehrere Beiträge aus dem letzten Jahr und vergleichen Sie Thema, Methode und Spezialisierungsgrad. Ein Journal kann seinen Scope sehr breit beschreiben, faktisch aber fast ausschließlich eine Unterdisziplin publizieren.

Achten Sie auf Umfang, Abbildungen, statistische Methoden und die Art der Fragestellungen in Titeln und Abstracts. Es geht nicht darum, fremde Texte zu kopieren, sondern zu prüfen, ob Ihr Manuskript für Redaktion und Leser als passender Beitrag erkennbar ist.

Wann eine Anfrage vor der Einreichung sinnvoll ist

Liegt das Thema am Rand des Scopes, kann eine kurze Presubmission Inquiry Zeit sparen, sofern das Journal solche Anfragen vorsieht. Nennen Sie Forschungsfrage, Artikeltyp und die Passung zur Zielgruppe. Eine lange Autorenbiografie ist nicht nötig.

Eine Antwort wie „Sie können einreichen“ garantiert keine Annahme. Sie bedeutet in der Regel nur, dass das Thema nicht offensichtlich außerhalb des Zuständigkeitsbereichs liegt.

Prüfen Sie, ob der Artikeltyp aktuell noch angenommen wird

Alte Empfehlungen veralten schnell. Journals wechseln Verlage, verändern den Scope, stellen ihr Erscheinen ein oder schließen bestimmte Artikeltypen vorübergehend. Prüfen Sie unmittelbar vor der Formatierung die aktuellen Autorenhinweise und die jüngsten Ausgaben.

Wenn zwei Journals gleich gut passen, stimmen Sie die Wahl vor der Formatierung mit allen Co-Autoren ab. Eine Person kennt vielleicht die Zielgruppe besser, eine andere Förderauflagen zur Lizenz, eine dritte die Budgetgrenze für APC. Eine frühe Entscheidung spart spätere Doppelarbeit.

Wählen Sie ein Journal nicht allein deshalb, weil ein Kollege dort kürzlich veröffentlicht hat. Thema, Förderung, Budget und Zeitplan können bei ihm völlig anders gewesen sein.

Wo man Forschung für die Öffentlichkeit erklärt

Die Auswahl eines wissenschaftlichen Journals löst die akademische Publikationsaufgabe. Öffentlichkeitskommunikation ist etwas anderes. Science Official im Mosaic-Netzwerk ist ein populärwissenschaftliches Medium: Dort kann Forschung verständlich erklärt werden, aber es ersetzt kein wissenschaftliches Journal.

Was Columnist bietet

Über Columnist kann ein Forscher eine populärwissenschaftliche Kolumne ohne wissenschaftliches Begutachtungsverfahren veröffentlichen. Der Beitrag erscheint mit Autorenname, Datum und in einer Publikation des Netzwerks. Das ist für öffentliche Erklärung sinnvoll, darf aber nicht als peer-reviewter Fachartikel geführt werden.

Wählen Sie das wissenschaftliche Journal für die akademische Aufgabe und veröffentlichen Sie eine separate Erklärung über Columnist, Adresse columnist.mib.news.

FAQ

Woran erkenne ich, ob der Scope passt?

Lesen Sie nicht nur die Beschreibung, sondern auch aktuelle Artikel. Wenn Ihr Studientyp und Ihre Zielgruppe dort praktisch nicht vorkommen, reicht ein gemeinsamer Oberbegriff nicht.

Sollte ich das Journal mit dem höchsten Impact Factor wählen?

Nicht automatisch. Fachliche Passung und Zielgruppe kommen zuerst. Metriken können ein Kriterium sein, ersetzen aber keine redaktionelle Passung.

Wie prüfe ich die Indexierung?

Suchen Sie im offiziellen Katalog der benötigten Datenbank nach Titel und ISSN. Ein Logo auf der Journalwebsite ist kein Beweis.

Kann ich zuerst einen Preprint veröffentlichen?

Das hängt vom Journal und vom Fach ab. Viele Journals erlauben Preprints, aber die aktuelle Regel muss vor dem Upload geprüft werden.

Lesen ist die eine Hälfte. Die andere ist eine Kolumne mit Ihrem Namen, in einer echten Publikation.

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